Zum Inhalt springen

Die Philosophie begegnet dem Säugling

 Du achtest, also bin ich.

Book cover: Philosophy Meets the Infant by Stephen Langfur

In diesem Buch wird der Ursprung des Selbstbewusstseins in der wechselseitigen Aufmerksamkeit zwischen Säugling und Bezugsperson gesehen. Als Beispiel dient der gegenseitige Blick: Wie bei einigen Tierarten folgen die Augen eines Babys den wechselnden Blicken einer Person. Offensichtlich nimmt es an, dass die Person etwas anschaut. Wenn eine Betreuungsperson den Blick auf ihre Wenn das Baby die Augen aufschlägt, nimmt es ebenfalls an, dass es etwas anschaut. Das Baby sieht das "Etwas" nicht, aber es fühlt es. Dies ist das Selbst in seinem Erwachen. Du nimmst teil, also bin ich.

Damit wird das philosophische Problem der Selbsterkenntnis angesprochen: Wie was ist bewusst kann sein was ihr bekannt ist. Die beiden was werden durch die Betreuungsperson vermittelt. Wenn das Kind von Angesicht zu Angesicht steht, ist die Wahrnehmung der Betreuungsperson eine Voraussetzung für die Wahrnehmung seiner selbst.

Dieses schleifenartige Entstehen des Selbst wird als "Du-Ich-Ereignis" bezeichnet. In den ersten Kapiteln wird gezeigt, wie diese Ereignisse die grundlegenden Merkmale des Selbstbewusstseins hervorbringen: dass ich existiere, dass ich bewusst bin, dass ich verkörpert bin, dass ich in der Welt handeln kann, dass ich Gefühle habe, die sich von den Gefühlen anderer unterscheiden, und dass ich weiter existiere, wenn ich allein bin.

Jetzt kommt eine wichtige Wende im menschlichen Leben: Da die Existenz des Säuglings als Selbst von den Du-Ereignissen abhängt, fürchtet er die Trennung von seinen Bezugspersonen. Als es die Sprache erwirbt, beschwichtigt es diese Angst, indem es sie in der Sprache auf sich selbst überträgt. Ein solches "Selbstgespräch" verinnerlicht das Du-Ich-Ereignis; sie fühlt sich von den verinnerlichten anderen betreut. Von nun an wird sie die innere Rede nutzen, um das Gefühl ihrer eigenen Existenz zu sichern. So entsteht die Art von Selbst, die, allein am Feuer, mit sich selbst sprechen kann und erkennt: "Ich denke, also bin ich." Das ursprüngliche Ereignis ist in den Hintergrund getreten (weshalb die Ich-Du-Erzählung zunächst kontraintuitiv ist), aber die Sehnsucht danach bleibt unter der Oberfläche des Lebens bestehen und findet indirekten Ausdruck in Liebe, Arbeit, Kunst, Gesprächen, Religion und Ethik (denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist).

Inhalt

Teil 1: Das Du-Ich-Ereignis im Säuglingsalter und warum es verschwindet

1 Einführung in das Du-Ich Ereignis

2 Geboren für Beziehung

3 Durch ein Du zum Ich werden

4 Fälschung des Du-Ich-Ereignisses

Teil 2: Das Du-Ich-Ereignis nach der Kindheit

5 Heideggers Hammer und das gespenstische Du

6 Liebe und das ausgeschlossene Du

7 Das abgespaltene Selbst in Aktion

8 Das Du-Ich-Ereignis in der Kunst

9 Das Du-Ich-Ereignis im Gespräch

Teil 3: Philosophische Fragen

10 Andere Berichte über Selbsterkenntnis

11 Der freie Wille und die Du-Ich-Theorie

12 Der Ruf des Gewissens

13 Gott oder das ausgeschlossene Du

14 Was kann getan werden

Anhang: Antworten an imaginäre Kritiker

Danksagung

Als Hardcover, Taschenbuch und E-Book bei RoutledgeAmazonB&Nund andere. 

de_DEDeutsch